Good vibes – von Larissa

Wir haben in unserem Reiseführer gelesen und auch von verschiedenen Leuten gehört, dass der Grenzübergang zwischen Peru und Ecuador der Schlimmste in ganz Südamerika sein soll und immer stundenlanges Warten und Chaos angesagt sei. Zudem waren immer noch viele der guten, direkten Busse von Lima wegen den starken Überschwemmungen gestrichen und wir mussten uns mit den Alternativvarianten zufrieden geben. Das Wort Motivation kam an diesem Tag in unserem Wortschatz nicht vor. Frühmorgens machten wir uns auf den Weg und erwarteten das Schlimmste – alles um sonst. Am Zoll hatte es genau zwei andere Personen vor uns, wir liessen unseren Pass zur Ausreise Perus stempeln und fünf Minuten später hatten wir auch schon den Stempel von Ecuador. Wir können es uns immer noch nicht erklären, was für einen Glücksmoment wir erwischt haben mussten, aber wir erkoren diesen Grenzübergang zum bisher Besten und Schnellsten überhaupt! Na dann, hola Ecuador! 😉

Unser erstes Ziel war Guayaquil, Ecuadors grösste Stadt. Sie hat nicht den allzu sichersten und besten Ruf. Auf Anraten des Hotelmitarbeiters, bewegten wir uns also nur südlich unserer Unterkunft. Um den Ruf etwas aufzubessern, beschloss die Stadt vor einigen Jahren die ganze Flusspromenade touristenfreundlicher und attraktiver zu gestalten. Wir fanden das Projekt ziemlich gelungen. Die Gegend ist schön hergerichtet und die vielen Kameras und Polizisten liessen uns sicher fühlen. Nicht schlecht staunten wir, über einen Park mitten in der Stadt, in dem dutzende von Iguanas (Echsen) frei herum spazierten und sich in der Hitze sonnten.

Unser nächster Stopp war dann Montañita. Der Ort mit viel Charme liegt am Strand und ist bei Touristen sehr beliebt. Schönes Meer, gute Restaurants und endlich wieder einmal die kühlen Kokosnüsse – die perfekte Gelegenheit, uns hier eine Woche niederzulassen. Um unser Spanisch noch ein wenig aufzupolieren, besuchten wir erneut eine Sprachschule. Der täglich vierstündige Unterricht war sehr persönlich und wir konnten Einiges dazulernen. Die restliche Zeit verbrachten wir am Strand, Mike beim Surfen, ich im Yoga oder einfach in den Hängematten auf unserem Balkon.

Nach einer Woche ging es dann weiter in den kleinen Surferort Ayampe. Hier besuchten wir einen Bekannten, welcher ich vor sieben Jahren in Australien kennenlernte. Er führt ein wunderschönes Hostel direkt am Strand und wir genossen für ein paar weitere Tage das Meer, die Sonne und die gute Energie. Man spürt die Verbundenheit zwischen Mensch und Natur und man hat wirklich das Gefühl, dass alles was hier zählt, der Wellengang ist. Kein schlechtes Zeichen. 😉 Ein kanadisches Paar führt hier, wie könnte es anders sein, eine kleine Surf, Yoga und Spanischschule, von welcher wir natürlich Nutzen machten. Die wunderschönen Sonnenuntergänge folgten für meinen Geschmack viel zu schnell aufeinander – ich könnte mich mit diesem Leben anfreunden.

 

 

Zurück in den Anden, und wie! – von Mike

Nach den entspannenden Tagen an der Küste, ging es zurück in die Berge. Cuenca liegt auf 2’500 Meter über Meer und wir waren gezwungen, wieder unsere warmen Kleider hervor zu krempeln. Als ob dies nicht genug wäre, wurden unsere Regenjacken beim Marsch zu einem Aussichtspunkt einem Härtetest unterzogen und sind souverän durchgefallen. Durchnässt verbrachten wir den Rest des Tages in nicht geheizten, aber schönen Cafés in der Altstadt von Cuenca.

Anstelle per Tour für 100 USD zum Cajas Nationalpark zu gelangen, wählten wir die etwas umständlichere Alternative mit den öffentlichen Verkehrsmitteln für ein paar Dollar. Wie hilfreich ist doch das Internet bei solchen Vorhaben und wie oft haben wir uns schon vorgestellt, wie das Reisen ohne Internet sein musste! Auf jeden Fall klappte fast alles wie geplant. Ausser nach der Wanderung mussten wir eine Weile warten weil alle Busse bereits voll waren. Nach einer Weile konnten wir jedoch mit einem Einheimischen und anderen zurückgebliebenen Touristen zurück nach Cuenca fahren.

Am Tag der Präsidentenwahl in Ecuador, erreichten wir Riobamba. Wir hatten schon einiges wegen den anstehenden Wahlen mitbekommen. Als wir die Mountainbiketour für den kommenden Tag buchen wollten, redete sich der Anbieter auf einmal in Rage, weil anscheinend der „falsche“ gewählt wurde und die Stimmzettel sowieso gefälscht wurden. Zwei Blocks nebenan konnten wir dann auch bald die ersten Demonstrationen hören. Neben kleinen Gruppierungen und vielen hupenden Autos, blieb aber alles ruhig und wir kamen heil zurück in unsere Unterkunft.

Nun eine Frage an euch: Welcher Punkt der Welt ist am weitesten vom Erdkern entfernt? Mount Everest? Da liegt ihr richtig, richtig falsch daneben, wie wir auch! 😉 Weil die Erde keine exakte Kugel, sondern am Äquator etwas „dicker“ ist, kommt diese Ehre dem Chimborazo, dem höchsten Berg in Ecuador zugute. Genau dorthin führte unsere Tour und wir stiegen, dick eingehüllt um uns vor den starken Sonnenstrahlen zu schützen, zuerst zu Fuss auf 5’100 Meter, bevor es per Mountainbike wieder hinunter Richtung Riobamba ging. Im Gegensatz zu Bolivien war die Downhillstrecke viel anspruchsvoller, was mir natürlich gut gefiel. Lara wetterte 1-2 Mal etwas vor sich hin, meisterte die Abfahrt aber wieder mit Bravour und war entzückt von der Landschaft.

Nach der rasanten Abfahrt wollten wir den Adrenalinspiegel hoch halten und fuhren nach Baños, dem Abenteuermekka Ecuadors. Wir flitzten auf einer offenen Gondel über das Tal, versuchten uns im Riverrafting und schwangen auf einer Schaukel hoch über dem Abgrund. Neben der ganzen Action gefiel uns Baños selbst auch sehr gut. Wunderschön gelegen, nicht zu gross und mit einem grossen Angebot an allem, was der Reisende so sucht und braucht.