Karibikküste – von Larissa

Nach einem nur einstündigen Flug, landeten wir in Cartagena de Indias. Die Hafenstadt liegt im Norden Kolumbiens an der Karibikküste und ist ein echtes Schmuckstück. Die Altstadt mit den farbigen Häusern in spanischem Stil, mit Blumen beschmückten Balkonen, grossen Kirchen und grünen Plazas ist wunderschön. Sind in anderen Städten nur gewisse Strassen ansehlich, sind es hier alle. Eine schöner als die andere. Unsere Unterkunft lag im modernen Teil der Stadt, welcher mit den Hochhäusern entlang einer Landzunge einen interessanten Kontrast bietet. Cartagena ist sehr tropisch und heiss, die eiskalten Fruchtshakes waren also ein totaler Hit. Hier oben ist das Angebot an Früchten riesig und es gibt viele, von welchen wir vorher noch nie etwas gehört hatten. Ein Schlaraffenland für mich! Von Cartagena aus machten wir einen Tagesausflug an den bekannten „Playa blanca“. Juhuu, das erste Mal in Südamerika konnte ich meine Füsse im klaren türkisfarbenen Wasser sehen. 😉

Weiter ging es dann nach Santa Marta, dem Feriendomizil für Kolumbianer. Auf der Fahrt passierten wir zuerst aber unzählige Dörfer aus schäbigen Blechhütten und enormen Massen an Abfall, was einem wirklich nachdenklich stimmt. In solchen Momenten fragt man sich, mit welchen Problemen wir uns zu Hause beschäftigen. Sind es wirklich welche?

Santa Marta fanden wir dann auf den ersten Blick nicht sehr attraktiv. Mit jedem Tag gefiel es uns jedoch besser. Wir finden es immer sehr interessant und auch ein bisschen erschreckend, wie facettenreich eine Stadt sein kann. Santa Marta hat einige schön hergerichtete Strassen im Zentrum mit topmodernen Restaurants und Bars, wo die Feriengäste in aller Ruhe ihre Cocktails schlürfen. Kaum macht man jedoch einige Schritte weiter, herrscht eine ganz andere Stimmung. Die Gassen sind überfüllt von Strassenverkäufern, welche mit allen Mitteln ihre gefälschten Waren an den Mann bringen wollen, Essensstände reihen sich aneinander, es riecht nach Frittiertem, die Böden sind schmutzig und man bekommt das „wahre“ Leben der Einheimischen zusehen. Zudem sind hier auch viele Venezolaner auf der Suche nach einem besseren Leben. Die momentane Situation in Venezuela ist wahnsinnig traurig und unter jeder Menschenwürde.

Nun gut, nach ein paar Tagen zogen wir dann weiter nach Palomino. Die Fahrten mit den öffentlichen Bussen zähle ich definitiv nicht zu meinen favorisierten Beschäftigungen. Die Fahrer rasen mit den Klapperkisten durch die Gegend ohne jede Spur von Verantwortung. Was das „System“ angeht, würde ich mich aber nicht beklagen wollen. Man steht einfach an die Strasse, winkt dem Chauffer und schon ist man an Board. Durch die enorm hohe Frequentierung, gibt es auch nie lange Wartezeiten und Platz gibt es im Bus sowieso immer. Oder es wird Platz gemacht.

Kommen wir zu Palomino. Der tropische kleine Ort ist mit dem Tourismus noch nicht all zu lange vertraut. Die Strassen sind nicht geteert und die Elektrizität funktioniert eher schlecht als recht. Was geht in einem solchen Dorf den lieblangen Tag? Eine Lieblingsbeschäftigung der Kolumbianer ist es, Spiele zu spielen, lauthals miteinander über Politik und Sport zu diskutieren und dazu das eine oder andere Bierchen zu kippen. Nicht zu vergessen ist natürlich auch die laute Musik, und die wird in aller herrgottsfrühe in den Strassen aufgedreht, als gäbe es kein Morgen mehr. ;-D

Wir verbrachten unsere Zeit am ruhigen, von Palmen gesäumten Strand. Keine aneinander gereihte Sonnenliegen und Schirme. Leider ist jedoch das Meer hier alles andere als ruhig und wir wurden gewarnt, dass es sehr starke Strömungen im Wasser hat, welche lebensgefährlich seien. Ich badete also nur wie ein Spatz in einer Pfütze,  ganz am Rand. Um der Hitze zu trotzen, mieteten wir für einen Nachmittag grosse Gummiringe und liessen uns mutterseelenalleine den Fluss hinunter treiben, dessen Wasser von der Sierra Nevada stammt und dadurch eine echte Abkühlung bot, bevor es dann ins Meer mündet. Es sind diese Momente, an welche wir uns ein Leben lang erinnern werden.

 

 

We are travelers, or tourists… whatever! – von Mike

Taganga, ein ehemaliges kleines Fischerdörfchen, das in den letzten Jahren vom Tourismus überrannt wurde. Auch wir quartierten uns für ein paar Tage dort ein, denn es ist ein optimaler Ausgangspunkt, um die umliegenden Attraktionen zu besuchen. Mit dem Tourismus kamen natürlich viele neue Einkommensmöglichkeiten, auch für die Einheimischen. Finanzstarke Auswanderer oder Investoren hatten aber natürlich ganz andere Möglichkeiten und stellten entsprechende Bauten auf, so dass sich viele Dorfbewohner aus dem eigenen Ort vertrieben fühlten. Ein paar Strassen hinter der schönen Uferpromenade sind die Wege nicht mehr asphaltiert und Menschen leben in kleinen Hütten, während Backpacker durch die Nacht feiern. Ein weiteres Problem: Abfall! Irgendwie hat man in Taganga das Gefühl, dass das Dorf nicht für diese Menschenmassen bereit ist und zwei Welten nebeneinander leben.

Unsere Tagesausflüge führten uns zum wunderschönen Cristal Beach. Ein abgelegener Strand, der nur per Boot erreichbar ist. Glasklares Wasser, wunderschöner Strand und eine tolle Umgebung. Definitiv etwas, dass bei unserer Südamerikareise bisher zu kurz kam. Am nächsten Tag stand dann der Tayrona Nationalpark auf dem Programm. Der Park ist eines der Highlights in Kolumbien, dementsprechend viele Touristen strömen jeden Tag dorthin. Da wir den Massen etwas ausweichen wollten, machten wir uns frühmorgens per öffentlichem Bus auf den Weg. Beim Parkeingang mussten wir trotzdem etwas Schlange stehen und die Wanderung in den Park glich manchmal einer Schulreise. Zudem machten wir die Erfahrung, dass Kolumbianer-/innen die Führungsposition nicht abgeben, auch wenn dahinter 20 Menschen auflaufen – meine Nerven! 😉 Mit der Zeit verteilten sich die Massen aber und wir konnten die diversen Strände und Buchten in vollen Zügen geniessen. Unser letzter Tag in Taganga war etwas regnerisch und wir entschieden uns, einen kleinen Ausflug in die Bergregion Sierra Nevada nach Minca zu unternehmen. Minca entwickelte sich in den letzten Jahren zu einem Touristenmagneten und es war definitiv ein kleines, schönes Dorf. Aber irgendwie erinnerte es uns an andere kleine Bergdörfer, die wir schon gesehen hatten und wir konnten uns auch nicht wirklich für eine erneute Wasserfalltour begeistern. Wir mussten einmal mehr feststellen, dass wir schon lange unterwegs und für manche Dinge ein wenig abgestumpft sind. Nach einem Mittagessen und Kaffee, machten wir uns also auf den Rückweg.

Die letzten Tage an der kolumbianischen Küste verbrachten wir wieder in Cartagena. Wir nahmen es etwas lockerer und machten nur einen Tagesausflug zum Vulkan Totumo, wo wir ein herrliches Schlammbad geniessen konnten. Ganz schön komisch, sich im Schlamm zu wälzen, aber es soll ja gut für die Haut sein.

Nach den hitzigen Tagen an der Küste, ging es wieder auf 2’600 Meter über Meer, nach Bogota. Wir kämpften uns durch den chaotischen Verkehr bis zum Zentrum, liessen uns mit einer Seilbahn zu einem tollen Aussichtspunkt bringen, erkundeten ein Stadtviertel per Fahrrad, versuchten unsere Allgemeinbildung in zwei Museen zu erweitern und genossen die Gesellschaft von einer Einheimischen, die Lara vor sieben Jahren in Australien kennengelernt hatte. Ausserhalb Bogotas befindet sich die Catedral del sal, ein unterirdischer Kirchenkomplex aus Salz. Definitiv einmal etwas anderes und spannend anzusehen.

 

 

33 Tage Kolumbien – von Beiden

Über Land von Ecuador eingereist, durften wir an den wenig touristischen Orten gleich die Freundlichkeit der Kolumbianer erleben. Wir wurden von Wildfremden Willkommen geheissen und sie wünschten uns einen tollen Aufenthalt in ihrem Land. Nach den vielen Jahren voller Gewalt, schauen die Menschen positiv nach vorne und versuchen die traumatischen Ereignisse zu vergessen. Diese Mentalität tragen sie durchs ganze Land und stecken auch die Reisenden damit an. An vielen Orten wird zusammen gespielt, geredet, getrunken und getanzt. Es scheint, als ob man Verlorenes jetzt nachholen wolle. Die Landschaft ist beeindruckend, aber was Kolumbien ausmacht, sind die Menschen.