Dschungelcamp – von Larissa

Da wir es bis jetzt in Bolivien und Peru nicht geschafft haben, in den Dschungel zu gehen, wollten wir es unbedingt in Ecuador nachholen. Das Angebot hier ist gross und wir entschieden uns für einen mehrtägigen Trip in den Yasuni Nationalpark, der bereits relativ tief im Amazonasgebiet liegt. Die Übernachtungsmöglichkeiten sollten ziemlich einfach werden, dafür ist der Park weniger touristisch und dadurch authentischer als die anderen Gebiete.

Erstmals nahmen wir die 7-stündige Nachtbusfahrt bis nach Coca auf uns, wo wir um drei Uhr morgens ankamen. Am Bahnhof wartete dann eine Frau auf uns, welche zur Familie des Touroperators gehörte. Wir durften uns noch einige Stunden in ihrem Haus (in der Schweiz würden wir es Schuppen nennen) ausruhen, bevor es am Morgen dann los ging. Unsere Gruppe bestand aus einem Bootsführer, der zugleich auch der Koch war, einem Guide, Mike und meiner Wenigkeit. Von Coca her war dann ein Kanu das Fortbewegungsmittel der Wahl. Auf dem Napo Fluss (ein Nebenfluss des Amazonas), schipperten wir immer weiter in Dschungel hinein. An unserem ersten Stopp wurden wir mit Gummistiefel ausgerüstet, bevor wir uns auf die erste Wanderung aufmachten. Unser Guide ist in einer kleinen Community des Amazonasgebietes aufgewachsen und kennt die Region wohl besser als seine eigenen Hosentaschen. Er war topmotiviert und erspähte uns die kleinsten Tierchen und weitentferntesten Vögel, die wir selbst nie entdeckt hätten. Wir konnten diversen Affenarten beim herumturnen auf den Bäumen zuschauen, beobachteten ein Faultier und begegneten einer riesen Herde Wildschweinen. Cool. Etwas ernüchternder war dann unser erstes Essen. Wir waren beide der Meinung, dass sich unser Koch wohl lieber aufs Kanufahren hätte beschränken sollen.

Am selben Abend noch besuchten wir eine Lagune, wo unser Guide einen Babykaiman (eine Art Alligator) aus dem Wasser fischte und wir etliche weitere Tiere beobachten konnten. Das Highlight war aber definitiv, als nach dem Eindunkeln alles anfing zu leuchten. Die lieben Glühwürmchen zauberten uns eine einmalige Stimmung.

Ab dem zweiten Tag war dann Zelten angesagt. Wir fuhren nochmals tiefer in den Nationalpark hinein, bevor wir uns an unserem Basecamp niederliessen. Unser vermeintliches „Zelt“ war super schnell aufgebaut, denn es bestand nur aus zwei Feldbetten und einem aufgespannten Mückennetz. Dafür aber glücklicherweise unter einem Unterstand. Die folgenden Nächte waren definitiv nicht die bequemsten, aber die Stimmung des Dschungelnachtlebens um uns herum war einzigartig. Nicht schlecht gestaunt haben wir dann aber eines Morgens, als wir die riesige Vogelspinne entdeckten, die sich genau über uns ihr Plätzchen ausgesucht hat. Ein Hoch auf das Mückennetz!

Die Tage im Dschungel vergingen wie im Flug, wir streunerten viel, wirklich viel durch den Urwald. Einmal auch im Dunkeln mit Taschenlampen ausgerüstet, um die nachtaktiven Tiere zu entdecken, oder wohl eher zu erahnen. Da sich die Kochkünste unseres Koches in den ganzen Tagen leider nicht verbesserte, probierte Mike einmal sogar wie sättigend Zitronenameisen sind. ;-P Wir lernten den Unterschied zwischen Primär- und Sekundärwald kennen, hatten Einblick in den einfachen Lebensstil am Fluss und kamen mit einer neuen, spannenden Erfahrung zurück in die Zivilisation, wo wir ein richtiges Bett und eine gute Dusche einmal mehr zu schätzen wussten.

 

 

Szenenwechsel am Laufmeter – von Mike

Nach unserer geführten Dschungeltour entschieden wir uns, die nächsten Reiseziele wieder auf eigene Faust zu erreichen. So schleppten wir uns morgens um 6 Uhr bereits zum Bahnhof, einmal Bus wechseln, Hotel einchecken, frühstücken, wieder zum Bahnhof und glücklicherweise fuhr der Bus sogleich los. Wir lieben es, wenn ein Plan funktioniert! Es war aber auch nötig, denn unser Tagesausflug, die Lagune Quilotoa lag beinahe auf 4’000 Meter über Meer.

Oben angekommen, machten wir ein paar Schnappschüsse von der wirklich tollen Lagune und entschieden uns spontan, die Rundwanderung von 10 km dem Kraterrand entlang in Angriff zu nehmen – in 2 bis 2,5 Stunden sollte das ja locker machbar sein. Was aus der Ferne noch mehr oder weniger flach aussah, war dann aber ganz schön steil und mein Reklamieren über die erneute Wanderung (ich war nach den Dschungelwanderungen nicht mehr ganz soooo motiviert), wich schon bald meinem Röcheln nach Luft. Umkehren war keine Option mehr und so schleppte ich mich wie ein angeschossenes Walross durch die hügelige Kraterlandschaft. Bei Wegverzweigungen wählten wir natürlich immer die scheinbar kürzeste Variante. Es konnte ja nur noch besser kommen… besser hiess in unserem Falle: Regen! Wie aus Kübeln goss es über uns und der dünne Trampelpfad wurde sehr glatt, sehr steil und die Wasserrinnen formten sich zu einem Bach. Unser wurde etwas mulmig, aber wir schritten mutig voran, was hatten wir auch für eine Wahl. Aus dem Nichts tauchten plötzlich zwei Kinder auf, die uns erklärten, dass wir auf dem Pfad für die Esel unterwegs waren (irgendwie waren wir also doch richtig!) und wir ihnen folgen sollten. Die zwei begleiteten uns im Regen bis zum richtigen Weg und verlangten dann ein Trinkgeld, welches wir ausnahmsweise gewährten. Plitschnass und durchgefroren, erreichten wir zwei Stunden später endlich unser Hotelzimmer, zum Glück gelang es dem Angestellten nach 10 Minuten sogar noch für heisses Wasser zu sorgen…

Aufgewärmt, aber immer noch in nassen Schuhen machten wir uns am nächsten Tag auf den Weg zum Cotopaxi Nationalpark. Als wir aus dem Bus ausstiegen, bemerkten wir die aufkommenden Regenwolken und kurze Zeit später spürten wir die ersten Tropfen. Das war Warnung genug und wir bestiegen den nächsten Bus direkt nach Quito. Das Highlight in Quito war, dass wir unsere Kleider waschen und die Schuhe trocknen konnten. Spass beiseite! Quito ist eigentlich ganz in Ordnung, hat ein schönes Stadtzentrum, tolle Kaffees und wir konnten sogar Schokolade aus schweizerischer und ecuadorianischer Zusammenarbeit geniessen. Da wir genau an Ostern vor Ort waren, erlebten wir die riesige Feier mit einem sehr grossen, sehr langen und langsamen Umzug. Zeitweise war an ein Durchkommen kaum zu denken.

Nach der Grossstadt verbrachten wir noch ein paar Tage in Mindo und Otavalo. Mindo ist vor allem wegen den Wasserfällen, dem Nebelwald und den vielen einheimischen Vogelarten bekannt. In Otavalo gibt es jeden Tag einen riesigen Markt, wo die einheimischen Menschen ihre handgemachten Waren verkaufen. Zu meiner Überraschung war Lara nicht nur am Shopping interessiert, sondern auch an den einheimischen Männern, die alle lange Zöpfe trugen und Indianern glichen. Vom Hörensagen soll es in Kolumbien ja ansehnliche Frauen geben – meine Zeit wird also noch kommen! 😉 Nach einem kurzen Zwischenstopp auf einem Friedhof, wo wir die aus Sträuchern geschnittenen Skulpturen bewundern konnten, war es aber Zeit für das nächste Abenteuer – Kolumbien!

 

 

34 Tage Ecuador – von Beiden

Viele Reisende lassen Ecuador aus, wir blieben hier in Südamerika bisher am längsten. Wie bereits in Peru fehlt es auch in Ecuador an nichts. Die Diversität mit der schönen Küste, den Bergregionen, Vulkanen und dem Dschungel gefiel uns extrem. Die kurze Reisepause mit dem Sprachaufenthalt kam für uns zur richtigen Zeit, denn danach war irgendwie immer viel los! Ecuador ist ein kleines Land, hat aber genau so viel zu bieten und so stürzten wir uns gefühlt von einem Abenteuer ins nächste. Wer einmal 3-4 Wochen Urlaub einrichten kann und die Diversität Südamerikas erleben möchte, ist in Ecuador genau richtig.