Karijini NP bis Broome – von Larissa

Endlich ging es wieder los! Wir waren überglücklich, wieder mit unserem Auto unterwegs zu sein und fuhren die uns bevorstehenden 600 km ganz locker. Die Landschaft war sehr abwechslungsreich und wurde zunehmend interessanter. So legten wir ein paar Mal kurze Stopps ein, um die schönen Kulissen zu beobachten. Unser Ziel war schlussendlich der Karijini Nationalpark, ein weiteres Highlight auf unserer Reise. Es ist der zweitgrösste Nationalpark in Westaustralien und überzeugte uns mit wunderschönen roten Schluchten, Steinformationen und erfrischenden Süsswasserpools. Es war cool, sich durch die teilweise mit Wasser befüllten Schluchten zu kämpfen und in den natürlichen Pools zu plantschen. Die herrlichen Abkühlungen waren bei den heissen Temperaturen grossartig.

Zu unserer nächsten Destination Broome, gab es noch einige Kilometer zu bewältigen und so hiessen wir den eingeschlichenen Nagel in unserem Hinterreifen nicht sehr willkommen. Da kontinuierlich nur wenig Luft austrat, schafften wir es jedoch gerade noch in einen Reifenladen, wo der kleine Schaden behoben werden konnte. Der flotte Mitarbeiter wollte nicht einmal Geld dafür. Mike drückte dem jungen Typen eine 10 Dollar Note in die Hand, er solle sich ein Bier kaufen. Alkohol ist übrigens in Australien ziemlich teuer, aus diesem Grunde steigt auch die Anzahl der getrunkenen Biere bei Mike nur sehr schleichend. 😉 Für den Betrag, was hier ein Bier kostet, hätte man sich in Asien ungefähr acht Stück leisten können. Und auch für die Raucher wird es hier ziemlich brenzlig, für eine Schachtel Zigaretten muss man nämlich etwa doppelt so viel wie bei uns hinblättern.

Am nächsten Tag standen dann die 600 km bis nach Broome auf dem Programm. Diese Strecke war nicht mehr so abwechslungsreich und die Strasse schien beinahe endlos zu sein. Nur hin und wieder kreuzten wir ein anderes Auto oder begegneten den riesigen Road Trains. Die Lastwagen mit bis zu vier Anhängern sind echt von beeindruckender Länge. Leider macht sich dies auch an den vielen toten Tieren an der Strasse bemerkbar. Und wir sprechen nicht mehr „nur“ von Kängurus, sondern Kühen! Die Tiere sind von der brühenden Hitze teilweise total aufgeblasenen und geben kein sonderlich schönes Bild ab. Am Abend waren wir dann echt froh, als wir am Ziel ankamen. Die tropische Hitze machte aber nicht nur den toten Kühen zu schaffen. Auch wir hatten definitiv nicht die erholsamsten Nächte in unserem Auto. So relaxten wir am Tage die meiste Zeit am bekannten Cable Beach. Wir genossen das Meer und den Strand nochmals in vollen Zügen, denn es war unsere letzte Station in Australien, wo dies möglich ist. Ab hier kann man wegen den Krokodilen leider nicht mehr im Meer baden und auch in anderen Gewässern ist Vorsicht angesagt und die Hinweisschilder müssen stets beachtet werden. Unterschieden wird zwischen Salzwasser- bzw. Süsswasserkrokodilen. Die „Freshies“, wie sie von den Australier genannt werden, sind in den meisten Fällen relativ freundlich. Bei einer unglücklichen Begegnung mit einem hungrigen „Salty“, möchte ich aber lieber nicht dabei sein. Dummerweise ist es ziemlich schwierig, die beiden auseinander zu halten. Also aufgepasst! 😉

Je nördlicher wir kommen, umso mehr Aborigines leben hier und so hatte es auch in Broome ganz schön viele. Es ist bedrückend zu sehen, wie die absolute Mehrheit von ihnen wie verlorene Seelen überall herum hangen, sei es in den öffentlichen Parks oder vor den Einkaufsläden. Meist zu gedröhnt mit Alkohol oder sonstigen Stoffen. Natürlich ist die komplexe Vergangenheitsgeschichte vieler sehr traurig und es macht den Anschein, als ob auch ihre Zukunft nicht rosig aussehen wird. Irgendwie wollen und können sie sich in die heutige Gesellschaft einfach nicht integrieren.

An unserem letzten Abend in Broome, hatten wir dann noch das Glück, den sogenannten „staircase to the moon“ sehen zu dürfen. Es ist ein Naturschauspiel, welches man entlang der nördlichen Küstenlinie von Westaustralien beobachten kann. Der Vollmond geht zu einer gewissen Zeit bei Ebbe über der Küste auf und das Licht des Mondes spiegelt sich für knappe 15 Minuten als eine Art Treppe im Wasser. Leider waren die Wetterbedingungen nicht ganz optimal, aber es war trotzdem ganz spektakulär, diesem Schauspiel bei einem Bierchen und Didgeridoo Musik zu zusehen.

So, Schluss nun mit Naturschauspielen, toten Kühen, Nägeln in den Reifen und Aborigines-Geschichten, von welchen ich die Hintergründe sowieso nicht gut genug kenne. Mikes Eintrag wird abenteuerlicher – versprochen! 😉

 

 

The Gibb River Road – von Mike

Wie viele andere Touristen auch, wollten wir dem öden Highway entgehen und via Gibb River Road die bekannte Kimberly Region durchqueren. Nach einigem hin und her, erhielten wir endlich eine zuverlässige Bestätigung, dass die Strasse nach der Regensaison jetzt offen sein. Wir starteten von Fitzroy Crossing aus, wo es noch einmal galt die Vorräte aufzufüllen und Benzin zu tanken. Gar nicht so einfach, wenn man davon ausgeht ungefähr zehn Tage ohne Einkaufsladen zu sein und man nur mit dem Auto und einer Kühlbox mit dahinschmelzendem Eis unterwegs ist.

Bereits am ersten Tag hatten wir das erste Highlight, die ersten Krokodile! Während der Wanderung in der Windjana Gorge, konnten wir ca. 50 Krokodile erspähen. Manche davon lagen gemütlich im Sand und liessen sich von uns auch nicht weiter stören, so entstanden einige gute Schnappschüsse aus kleiner Entfernung.

Da die Gibb River Road erst öffnete, waren einige der Schluchten noch nicht zugänglich. Auf dem Weg konnten wir aber immer wieder kurze Wanderungen unternehmen und uns unter einem schönen Wasserfall abkühlen. Das Roadhouse, wo wir gezwungenermassen tanken mussten, hatte aufgrund eines Feiertages geschlossen. Die Wartezeit füllten wir mit der traumhaften Manning Gorge. Einem natürlichen Pool mit schönem Wasserfall und das Beste daran? Wir hatten es ganz für uns alleine, keine Menschenseele war vor Ort.

Das tanken kostete gleich das Doppelte wie üblich, im Vergleich zur Schweiz waren die Preise von rund CHF 1,65 pro Liter aber immer noch auszuhalten. Unser kleiner 4,5 l Nissan vernichtet aber auch stolze 17-18 Liter auf 100 km! 😉 Mit unseren, auf Effizienz getrimmten Hybridautölis der Schweiz, kommt man in Down Under einfach nirgends hin. Hier darf ein Mann noch ein Mann sein und das leben die Australier mit ihren ausgerüsteten 4×4 Fahrzeugen, Offroadwohnwagen und Booten auch aus.

Beim Roadhouse hatten wir erfahren, dass die Strasse zu den Mitchell Falls am Vortag öffnete. Da die Gibb River Road bis dahin in sehr gutem Zustand war und wir gut voran kamen, entschieden wir uns den Weg in Angriff zu nehmen. Es waren ja schliesslich nur weitere 250 km Offroad Strassen und dann den selben Weg wieder zurück! Alles lief grossartig und wir starteten morgens bei bester Laune, um die letzten 80 km hinter uns zu bringen. Wir durchquerten knietiefe Flüsse und auch der schlechter werdende Strassenzustand machte uns eigentlich keine Sorgen, bis, ja bis die Motortemperaturanzeige auf einmal wieder hoch ging. Wir hielten an, stiegen aus und sahen so etwas ähnliches wie die Mitchell Falls an unserem Kühler herunterfallen – grandios! Der neue Kühler, gerade einmal zwei Wochen und 2’000 km alt, gab den Geist auf. Um es noch schön zu sagen: Wir waren absolut in der Scheisse! Die nächstgelegenen grösseren Orte mit einer Werkstatt lagen mindestens 500 km auf Schotterstrassen entfernt. Schon bald trafen andere Reisende ein und versuchten zu helfen, jedoch war das Loch nicht sichtbar und es schien keinen anderen Ausweg zu geben, als viel Wasser zu sammeln und langsam zurück zu fahren und das Kühlwasser immer wieder nachzufüllen. Ein Schweizer Paar, welches wir in Broome und am Vorabend getroffen hatten, zögerte keine Sekunde und offerierte, uns zu den Mitchell Falls mitzunehmen und in ihrem Zelt zu schlafen (herzlichen Dank noch einmal!). Wir waren mehr als froh, dass wir immerhin die Wasserfälle sehen konnten. So stellten wir unseren Nissan an den Strassenrand und machten uns mit ihnen auf den Weg für die letzen 40 km. Mit etwas Sorgen im Bauch, versuchten wir es trotzdem zu geniessen und die Mitchell Falls waren wirklich wunderschön!

Um unsere Situation etwas zu veranschaulichen…

map_gibbriver_distance

Der Tag der Rückreise: Wir waren positiv, noch! Der Ranger gab uns eine Flüssigkeit mit, die das Leck stoppen sollte. Wir füllten also den leeren Kühler und machten uns auf den Weg. Keine

10 km später war das Wasser aber wieder draussen und wir standen am Strassenrand. Eiweiss und schwarzer Pfeffer soll auch helfen, also rein damit und weiter. Aber es half alles nichts! In der brütenden Hitze kamen wir gerade einmal 5 km bevor wir stoppen und einige Liter Wasser nachfüllen mussten. Wie um Himmels Willen sollten wir so aus eigener Kraft zurück zur Zivilisation kommen? Ein Transport, um das Auto von den Mitchell Falls abzuschleppen, würde uns über CHF 5’000 kosten. Das Schweizer Paar bot uns an, unseren Nissan bis zum nächsten Übernachtungsplatz abzuschleppen. Obwohl der Motor nur noch im Leerlauf drehen musste, überhitzte er immer wieder und sorgte auch für Hitzewallungen bei allen Beteiligten. Wir schafften es kurz vor dem Eindunkeln ans Ziel.

Neuer Tag, 6 Uhr morgens. Tagesziel: Drysdale River Station, 109 km – da werden sie geholfen, hat der Ranger gesagt. Unser Plan ging auf und die kühlere Luft verhalf uns zu 35 km ohne Stopp, welch ein Erfolg! Nach drei längeren Pausen erreichten wir die Station und hatten das Gefühl, es geschafft zu haben. Der alte, bärtige Angestellte erklärte uns dann ziemlich emotionslos, dass sie keine Werkstatt haben und uns auf der Station niemand weiterhelfen kann. Wir sollen unser Glück mit Quick Steel versuchen und die Masse um das Leck kneten. Na super, es waren ja nur noch 350 km…

Unser Schicksal machte bereits die Runde und die Anteilnahme war gross. Eine deutsche Bildhauerin mit filigranen Fingerchen kroch kurzerhand unter unser Auto und pappte die Knete um das Leck. Nun war abwarten angesagt bis das Material hart wurde und die Aussentemperaturen wieder ertragbar wurden. Und siehe da, am Abend absolvierten wir absolut sagenhafte und atemberaubende 85 km am Stück!!! Mit solchen Schritten schleppten wir uns bis nach Kununurra, normalerweise ein kleines verschlafenes Dorf im Nirgendwo. Für uns war es nach dieser Misere eine kleine Metropole. Die haben sogar Automechaniker, stellt euch das vor!!