Salsa & Kaffee – von Larissa

Der Grenzübergang zwischen Ecuador und Kolumbien verlief, wie ein normaler Grenzübergang in Südamerika eben verläuft. Etliche Male die Verkehrsmittel wechseln, Warteschlangen überwinden und schon ist man am Ziel. Kurz nach der Grenze nahmen wir uns die Zeit, um die gothische Kirche anzuschauen, welche in einem grünen Tal wunderschön eingebettet ist.

Die erste Übernachtung war dann in Pasto. Am Busbahnhof bot uns ein junger Kolumbianer bereits seine Hilfe an, um in die Unterkunft zu gelangen und hiess uns herzlichst Willkommen in seinem Land. Die Erzählungen anderer Reisenden über die herzliche und hilfsbereite Art der Kolumbianer bewahrheitete sich also schon am ersten Tag. Der Ort Pasto hat sonst aber für Touristen nicht viel zu bieten und es war relativ schwierig, ein passendes Abendessen zu finden. In Kolumbien heisst es, frittieren, frittieren und nochmals frittieren und die Einheimischen lieben es.

Von Pasto ging es weiter nach Popayan. Auch hier begegneten wir nur einer handvoll Touristen, obwohl das Städtchen eine sehr schöne Altstadt und einige gute Restaurants zu bieten hat. Nach einer Nacht zogen wir dann weiter nach Cali. Cali ist ein Fall für sich. Heiss, hektisch, stinkender Verkehr und laute Musik. Die Grossstadt zählt immer noch zu den top ten der gefährlichsten Städte der Welt. Dies tönt nicht gerade einladend, hält man sich aber an die Spielregeln, sollte es normalerweise keine Probleme geben. Gleich zu Beginn nahmen wir an einer „free walking tour“ teil, welche sehr interessant und informativ war. Uns wurde erklärt, in welchen Gebieten wir um welche Tageszeit „bedenkenlos“ herumspazieren können, wo und wann wir speziell Acht geben müssen und wo wir nicht einmal dran denken sollten, hinzugehen. Unsere Unterkunft, viele gute Restaurants und Cafes waren im sicheren Touristenbezirk gelegen, wo wir dann auch wirklich unsere meiste Zeit verbrachten. Cali ist aber nicht nur für seine Kriminalität bekannt, sondern auch für Salsa. Man sagt, für die einheimischen afro-kolumbianischen Leute sei es nicht einfach irgendeine Unterhaltung, sondern ein Lebensstil. Natürlich liessen wir uns ein Exempel nicht entgehen und Mike durfte seine Tanzkünste mit einer heissen Kolumbianerin unter Beweis stellen. ;-D Im Allgemeinen würden wir sagen, dass es kein Muss ist, die Stadt zu sehen und trotzdem liegt irgend ein spezielles Flair in der Luft.

Unser nächster Halt war dann Salento. Der kleine charmante Ort mit den farbigen Häusern gefiel uns nach der Grossstadt sehr gut. Von hier aus machten wir eine Tageswanderung in das saftig grüne Cocora Valley, welche mit den riesigen Kokospalmen echt cool anzuschauen war. Ein Aufenthalt in Salento ohne eine Kaffeeplantage zu besuchen, wäre aber eine Sünde. Die ganze Region bietet die perfekten Bedingungen für die Kaffeepflanzen. Nicht umsonst ist Kolumbien weltweit der dritt grösste Hersteller und bekannt für das flüssige Gold. In einer zweistündigen Tour wurde uns alles erklärt, von der Wichtigkeit für das Land, Produktion, Verarbeitung bis hin zur Tasse in der Hand. Ein erschreckender Fakt war für mich, dass Kolumbien zwar einer der besten Kaffees produziert, die Einheimischen jedoch überwiegend den Zweitrangigen trinken müssen und der ganze Erstklasskaffee exportiert wird. Leute, it’s all about the money!

 

 

Medellin, nosotros somos banditos! – von Mike

Ja, ich geb’s zu: Ich habe zu viel TV geschaut. Um genauer zu sein – Narcos. Auf Empfehlung von Miggu (Merci!) zog ich mir während meinem Tarifa Aufenthalt die Netflix Serie innert zwei Wochen rein und aktuell mit Lara zum zweiten Mal. Die Geschichte rund um Pablo Escobar, das Medellin-Kartell und den Drogenhandel in Kolumbien fasziniert und schockiert zugleich. Nun standen wir da, am Busbahnhof von Medellin, die vor keinen zwanzig Jahren als gefährlichste Stadt der Welt galt. Die kurze Taxifahrt zum Hotel liess davon aber nichts erahnen, wir fuhren durch moderne Strassen mit Hochhäusern und bezogen unsere Unterkunft im hippen und sicheren Touristenviertel „Poblado“.

Im Voraus hatten wir bereits die berühmte „free walking city tour“ gebucht. Die Tour ist meist ausgebucht und führt täglich zig Touristen durch das Zentrum, um alle Facetten von Medellin und Kolumbien zu zeigen: „the good, the bad and the ugly“, wie es der Guide nannte. Das Gute konnten wir gleich vor Ort erfahren, die Menschen! Immer wieder mischten sich Einheimische unter die Gruppe und hiessen uns Touristen herzlich Willkommen in ihrem Land. Im Jahr 2000 hatte Kolumbien gerade einmal 50’000 Touristen pro Jahr, aktuell sind es um die 5 Millionen, Tendenz steigend! The bad and the ugly, konnten wir teils auch sehen. Im Zentrum leben viele auf der Strasse und dröhnen sich bereits am Morgen mit Alkohol und Drogen zu. Aber grundsätzlich wollen die Menschen einfach vergessen, was während des Drogenkrieges alles passierte. Zu frisch sind die Wunden und viele Leute waren direkt betroffen und haben Freunde und Familie verloren. Positiv nach vorne schauen, lautet die Devise und das merkt man! Speziell fanden wir, dass sämtliche Menschengruppierungen anscheinend problemlos miteinander oder aneinander vorbei leben können. In einem Park sassen zugedröhnte Obdachlose, während gleich daneben Kinder Fussball spielten, beobachtet von einem älteren Ehepaar. Gleichzeitig schlenderten Hipster durch den Park und um die Ecke der Kirche boten Transsexuelle ihre Dienste an. Bei uns wäre das undenkbar, oder?

Per Metro, Tram, Seilbahn und Rolltreppe erkundigten wir andere Stadtviertel auf eigene Faust. Von armen Ghettovierteln bis zu hochmodernen Businessvierteln ist in Medellin alles zu finden. Wir würden sie nicht unbedingt als eine der Schönsten bezeichnen, aber mit der Vorgeschichte, der aktuellen Entwicklung und vor allem den Menschen, als eine der Spannendsten auf unserer Reise.

Von Medellin machten wir noch einen zweitägigen Abstecher nach Guatapé. Durch einen Staudamm formte sich einer der grössten Seen Kolumbiens und liefert rund 30 % des Strombedarfs des Landes. Die Attraktion der Region, ist ein über 200 Meter hoher Fels, der eine sagenhafte Aussicht über die Landschaft bietet. Da der hübsche Ort mit den farbigen Gebäuden auch ein beliebtes Reiseziel für Einheimische ist, wählten wir bewusst Sonntag/Montag aus. Nur doof, haben auch die Kolumbianer am 1. Mai einen Feiertag und genossen somit ein verlängertes Wochenende…