Pinnacles bis Shark Bay – von Mike

Dank der Empfehlung von Mirco (merci!) planten wir unseren Tag nach Perth so, dass wir bei Sonnenuntergang die berühmten Pinnacles erreichten. Das Farben- und Schattenspiel über den unzähligen Kalksteinformationen war einmalig. Auf dem Weg nach Geraldton kreuzten wir noch den „leaning tree“, ein Baum, der wie viele andere in der Umgebung waagerecht wächst. Dies verdanken sie dem starken, konstanten Wind an der Küste. In Geraldton hiess es wieder Vorräte auffüllen, denn die Ortschaften sollen gegen Norden immer kleiner werden. Wir wurden dann noch von einem älteren australischen Paar, das wir im Süden kennengelernt hatten, zum Essen eingeladen und durften die Nacht auf ihrem Grundstück verbringen. Nach den vielen nützlichen Überlebenstipps für Australien, fuhren wir erstmal in den nächsten Outdoorshop und rüsteten uns mit Fliegennetz, Schaufel und Reifenreparaturkit aus – man soll ja schliesslich für alles gerüstet sein!

In Port Gregory konnten wir ein weiteres komisches Naturphänomen beobachten, einen pinkfarbenen See. Im warmen, salzhaltigen Wasser haben sich Algen und Bakterien niedergelassen, welche das Wasser pink färben. Um zur Lucky Bay zu gelangen, mussten wir wieder Sanddünen durchqueren und uns dem Strand entlang kämpfen. Aufgrund unserer Vorgeschichte hatten wir ein etwas mulmiges Gefühl, wollten wir nicht noch einmal unser Auto ausgraben. In der Zwischenzeit hatten wir aber etwas Erfahrung gesammelt und viele Tipps erhalten und mit sehr wenig Luft in den Reifen fuhren wir mehr oder weniger souverän bis zur abgelegenen Bucht mit kristallklarem Wasser. Nach einer ersten Abkühlung wollten wir gerade zum Schnorcheln aufbrechen, als wir sahen, dass ein anderer Schnorchler sein Surfbrett holte, um zum Riff zu gelangen. Wir erkundigten uns wieso und erfuhren, dass es wohl viele Haie im tiefen Wasser zwischen Strand und Riff hat. Spontan entschieden wir uns gegen das Schnorcheln und für das Plantschen bis nur noch knietiefem Wasser. Kurze Zeit später war auf einmal Aufregung am Strand. Etwas Grosses zappelte an einer Angelrute und sprang wild aus dem Wasser. Der Angler hatte alle Hände voll zu tun um den Stand nicht zu verlieren. Der grosse Fisch war ein Hai und er dachte nicht daran klein bei zu geben. Das Seil wurde einfach abgebissen und weg war er. Fasziniert standen wir nun alle (fünf Personen) um den Angler und er wollte sein Glück gleich wieder probieren. Es dauerte nicht lange bis wieder etwas anbiss und nach etwa einer halber Stunde konnte er den vermeintlichen Schaufelnasenhai an Land ziehen. Er wollte aber eigentlich etwas anderes fangen und liess ihn dann gleich wieder zurück ins Wasser. Später lernten wir, dass es eigentlich ein harmloser Schaufelnasenrochen war. Trotzdem ein eindrückliches Erlebnis. Am Abend trafen wir in einem Pub zufällig noch einmal auf den Fischer und er lud uns an eine Homeparty ein. Diese gestaltete sich etwas merkwürdig, waren es einige junge Einheimische, ein paar Jungs aus einer Band und ein paar etwas ältere, stark betrunkene Seelen. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass der Fischer der uns einlud, eigentlich selber niemanden kannte… 😉

Als nächstes stand der Kalbarri Nationalpark auf dem Programm. Wir starteten früh, um der grössten Hitze zu entgehen. Die 9 km Wanderung führte durch eine grosse Schlucht und hätte wohl ganz schön werden können, wenn diese ver******* Fliegen nicht wären. Am Anfang versucht man es noch gelassen zu nehmen, doch nach drei Stunden marschieren und wirklich ständiges Fliegen abwehren, ist es nur noch nervtötend. Und nein, es sind nicht dieselben Fliegen wie bei uns… diese Gattung lässt sich nicht so leicht abschrecken und versucht ständig in den Mund, Nase, Ohren etc. zu krabbeln. Aber wir lernen dazu und sind ab sofort auch mit einem ultrasexy Fliegennetz über dem Kopf unterwegs.

Nach einer Nacht auf einer ehemaligen Rinderfarm fuhren wir weiter zur Shark Bay. Auf dem Weg besuchten wir den Shell Beach, ein Strand bestehend aus unzähligen, kleinen, weissen Muscheln. Danach war wieder einmal etwas Bildung angesagt. Seit unserer Abreise in Melbourne haben wir viele Tipps und Warnungen erhalten, sodass wir zunehmend verunsichert ins Wasser stiegen. Berühre ja nichts, tue das und jedes nicht. Wenn du einen blue ring octopus berührst, hast du noch 30 Sekunden zu leben. Achtet auf die Steinfische, passt auf vor den Quallen, überall scheinen Killerhaie zu lauern und von den Krokodilen im Norden fangen wir schon gar nicht an zu reden. Wir besuchten also einen kleinen Ocean Park um die Tiere mal live zu sehen und zu hören, wie verbreitet und gefährlich sie wirklich sind. Gemäss den Angestellten gab es im 2015 sechs Todesopfer durch Haiangriffe und zwölf Menschen verloren ihr Leben, weil sie unachtsam waren beim Selfies knipsen – das Handy ist also doppelt so gefährlich wie die Haie! 😉 Wir glaubten den Pflegern gerne und waren ab sofort wieder mit etwas mehr Vertrauen im Wasser.

Im François Peron Nationalpark hatten wir dann mit anderen Elementen zu kämpfen. Der Park ist nur mit 4×4 Fahrzeugen befahrbar und der Sand wurde tatsächlich immer tiefer und schwerer. Wir haben den Dreh aber langsam raus und fuhren ohne stecken zu bleiben über 100 km durch den tiefen Sand. Beim Campen hatten wir mit starkem Wind zu kämpfen, was das Kochen mit unserem kleinen Gasrechaud leider verunmöglichte. So gab es für einmal Dosenfutter und wir waren bereits um 20.00 Uhr in unserem Luxusvan. Ihr seht, auch wir haben an manchen Tagen ganz schön zu kämpfen! 😉

 

 

Coral Bay & Exmouth – von Larissa

Da wir von Shark Bay schnorcheltechnisch etwas enttäuscht wurden, entschieden wir uns noch einen weiteren Abstecher zu machen. Eine ungeteerte, jedoch gut befahrbare Strasse führte uns an diverse abgelegene Strände. Wir campierten wild, spielten bei sehr knappem Licht noch unser abendliches „Tschau Sepp“ und genossen den wunderschönen Sternenhimmel. Am nächsten Tag gingen wir dann voller Hoffnung mit Schnorchel und Maske ausgerüstet ins Meer und mussten leider erneut feststellen, dass es zu wellig und die Sicht einfach zu schlecht war. So fuhren wir relativ schnell weiter und waren beide der Meinung, dass sich diese zusätzlichen Kilometer wohl nicht sehr gelohnt hatten.

Auf dem Weg nach Norden passierten wir dann viele Termitenhügel, welche eine beeindruckende Grösse hatten. Coral Bay war unser nächster Halt und es war ungewohnt voller Leute. Die Schulferien hatten begonnen und die Australier lieben offensichtlich das Campen in diesem kleinen Ferienort. Der Ort ist auch wirklich hübsch und liegt direkt am bekannten Ningaloo Riff. Das noch gut intakte Riff erstreckt sich fast 300 Kilometer entlang der Küste und ist das zu Hause von über 500 Fischarten. Zudem ist es eines der wenigen Riffe in der Welt, welches sich wunderbar vom Strand aus erkunden lässt. Das tönte definitiv viel versprechend und dieses Mal wurden nicht enttäuscht. Nur wenige Meter muss man ins Wasser schwimmen, schon sieht man die fantastischen Korallenformationen und ist umgeben von unzähligen tropischen Fischen in allen Farben und Grössen. Nach einem coolen Tag im Meer fuhren wir dann weiter nach Exmouth. Der Ort selbst ist trocken und nicht überaus charmant. Ausser den etlichen Emus, die überall herum stolzieren, gibt es hier nicht wirklich viel. Es ist jedoch eine gute Ausgangsbasis, um den nahe gelegenen Cape Range Nationalpark zu erkunden. Im Park machten wir zwei kurze Wanderungen in den schönen Schluchten, wo wir das seltene Schwarzpfoten Wallaby sahen. Einige Tiere sassen beinahe wie Affen auf den Steinen, andere hopsten wie Kängurus herum und waren irgendwie lustig zu beobachten. Vom trockenen Heiss (es war permanent über 35 Grad Celsius) ging es dann schnell wieder ins kühlere Nass und wir verbrachten einen weiteren tollen Nachmittag am Ningaloo Riff. Natürlich machten wir auch den super „Drift Snorkel“ an der paradiesischen Turquoise Bay. Zu den Highlights im Meer gehörten Rochen, Riffhaie, Seesternen, ein Oktopus, ein Feuerfisch und eine grosse Schildkröte. Leider ist es immer sehr schwierig, die flinken Meeresbewohner gut auf die Fotos zu kriegen, aber wir finden es immer wieder interessant, die uns fremden Tiere zu erspähen. Den gelungenen Tag liessen wir dann abends mit einer langersehnten Pizza ausklingen.

Der nächste Tag stellte sich dann weniger erfolgreich heraus. Erst warteten wir auf meine bestellten Kontaktlinsen, welche ich eigentlich in Perth besorgen wollte. Da dessen Lieferfrist jedoch viel länger als erwartet war, liessen wir die Linsen nach Exmouth senden. Die australische Post ist aber definitiv nicht die Schnellste und wir waren überglücklich als sie dann schlussendlich eintrafen und wir zu unserer nächsten Destination aufbrechen konnten. Naja, beim Wollen ist es geblieben! Der Kühler unseres Autos machte keine 30 km ausserhalb Exmouth schlapp und wir mussten umdrehen. Wohl oder übel gab es keinen anderen Weg, als unseren Nissan erneut in die Garage zu entbehren. Wie schon erwähnt, gibt es in Exmouth so gut wie nichts zu tun und ohne Auto ist man ziemlich aufgeschmissen. In der „Not“ wird man aber etwas erfinderisch und was anfangs nur eine blöde Idee war, realisierten wir dann kurz darauf. Mit einem Schild und den Daumen hoch standen wir an der Strasse und wie es der Zufall wollte, nahm uns eine junge coole Familie aus Thun mit ihrem Wohnmobil die rund 60 km an die Turquoise Bay mit. So hatten wir noch einmal einen super Tag am Ningaloo Riff und durften dann mit der netten Familie wieder zurück nach Exmouth düsen.

So weit, so gut. Und wie ging die Geschichte mit dem Auto weiter? Kurz und grob für euch zusammengefasst: Der bestellte Kühler aus Perth traf mit einem Defekt in Exmouth ein und es musste nochmals ein neuer bestellt werden. Grandios – wir lieben das Warten so sehr! Mit wohl ein paar grauen Haaren mehr auf dem Kopf und einem sehr strapazierten Portemonnaie konnten wir nach vier verlorenen Tagen unsere Reise schliesslich fortsetzen. Exmouth wird uns so schnell nicht wieder sehen. ;-P