La Paz, die Todesstrasse und die Sonneninsel – von Mike

Eigentlich wollten wir noch mehr sehen von Bolivien, aber vom Norden Chiles führten alle Wege nach La Paz und unsere Motivation auf X-Stunden Busfahrt in die entgegengesetzte Richtung hielt sich in Grenzen. So akzeptierten wir unser Schicksal und bezogen unser Quartier für die nächsten Tag in La Paz. Die Stadt liegt 3’200 – 4’100 Meter über Meer und ist somit der höchstgelegene Regierungssitz der Welt. Wir sind bekanntlich nicht gerade Stadtmenschen und sind der Meinung, dass viele Grossstädte sich gleichen. La Paz ist aber definitiv anders, schon bei der Anfahrt beeindruckt die Sicht über das Tal mit den unzähligen kleinen Häusern, die für uns den Eindruck machen, als ob sie noch mitten in der Bauphase wären. Viel Charme kann man der Stadt nicht zusprechen. Es ist chaotisch, eng, lärmig und die Abgase der stehenden Autokolonnen, die ihre Kupplungen an den steilen Auffahrten verbrennen, macht einem das Atmen schwer. Dennoch, die Stadt hat etwas und wir fanden es interessant dem hektischen Treiben auf den Strassen und den Märkten zuzuschauen und sobald man sich etwas in die Höhe auf einen Aussichtspunkt wagt, ist die Sicht einfach faszinierend. Die Armut ist natürlich spürbar und wir wurden auch mehrmals gewarnt, dass wir auf unsere Sachen aufpassen sollen. Auf der anderen Seite hat La Paz aber mehrere Kilometer moderner Seilbahnverbindungen und schöne Restaurants mit gutem Essen. Irgendwie verschmilzt an diesem Ort alles miteinander und trotzdem prallen Welten aufeinander.

In der Umgebung von La Paz liegt die sogenannte „death road“. Die sehr schmale Strasse in den fast senkrechten Felswänden diente bis vor einigen Jahren als Hauptverkehrsachse in den Norden Boliviens. Mittlerweile ist eine neue Strasse eröffnet worden und die alte dient beinahe nur noch dem Touristenvergnügen, nämlich zur Abfahrt mit dem Mountainbike. Für mich war klar, dass ich das erleben muss. Bei Lara war der Enthusiasmus nicht ganz so gross, auch gutes Zureden und Bestechung half nicht weiter. Am Ende trieb sie die Einsamkeit zur Zusage. Was solle sie auch einen ganzen Tag alleine in La Paz machen… 😉 So starteten wir am nächsten Tag auf 4’700 m.ü.M., ausgerüstet mit vollgefederten Mountainbikes und Schonern. Zuerst ging es einige Kilometer die Asphaltstrasse entlang, was ganz gut war, um sich an alles zu gewöhnen. Doch schon bald fing (vor allem bei mir) der Spass an und wir waren auf Schotter unterwegs. Nach einigen Anweisungen à la: „bei Linkskurven könnt ihr laufen lassen, da knallt ihr in die Felswand. Bei Rechtskurven besser abbremsen, sonst geht es in die Tiefe“, ging es auch schon los. Die Kulisse war wirklich eindrücklich, aber man ist so konzentriert auf den schmalen Weg, dass man die Absturzgefahr nur selten wahrnimmt. Nach über 60 km Abfahrt, war auf 1’200 m.ü.M. dann Schluss. Das Klima hatte sich in der Zwischenzeit total verändert und wir kamen bei tropischer Umgebung ganz schön ins Schwitzen. Nach anfänglicher Zurückhaltung fand Lara immer besser Gefallen an der rasanten Abfahrt und machte den männlichen Gruppenkameraden das Leben schwer. Am Ende musste sie sogar eingestehen, dass es ein tolles Erlebnis war. So war auch ich rundum zufrieden.

Nach La Paz stand bereits der nächste Höhepunkt an, der Titicacasee. Wir stoppten zuerst an der Copacabana, nein nicht in Brasilien sondern der „echten“ Copacabana in Bolivien. Von da aus machten wir einen tollen Ausflug auf die „Isla del Sol“. Der Inka-Legende nach, wurde hier die Sonne gemacht. Wir übernachteten zwei Mal auf der kleinen Insel und umrundeten diese zu Fuss. Das absolute Highlight war aber, dass ich Lara zu einem Bissen meiner frisch zubereiteten Forelle überreden konnte. Sie konnte es zwar nicht runter schlucken, aber der Versuch war es wert… 😉

 

 

14 Tage Bolivien – von Beiden

Zwar war unser Bolivienaufenthalt kürzer als geplant, aber die Salar de Uyuni und dessen Umgebung ist definitiv ein Highlight unserer ganzen Reise. Allgemein hat uns die Landschaft in Bolivien sehr beeindruckt. Die meisten Menschen leben ein einfaches, traditionelles Leben und kleiden sich entsprechend, was interessant zu beobachten war. Gegenüber Argentinien und Chile ist die Armut natürlich wieder deutlich höher, aber wir fühlten uns jederzeit sicher und könnten uns gut vorstellen, das Verpasste irgendwann einmal nachzuholen.